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T-Kid 170 Back to the roots

15.12.2018

T-Kid170 ist eine lebende Legende, ein Urgestein der Graffiti-Kultur. Der aus der Bronx stammende Künstler erfand zusammen mit seinen Freunden aus dem Mal-Workshop eine ganz eigene Lebensweise, die Action und Kreation miteinander vereint.

Am Anfang sprühte er sein Pseudonym an eine Mauer in seinem Stadtviertel und an die Straßenbahn – danach hatte er Glück und einen starken und von Leidenschaft getriebenen Willen, der ihn auf der ganzen Welt bekannt machte. T-Kid erzählt sein Leben, 45 Jahre voller Burner, Wholecars, Graffitis, Fresken und Wandmalereien…

T-Kid170 ist auf Instagram: https://www.instagram.com/tkid170/

Wie war das, als Writer in der Bronx aufzuwachsen?

Das Problem war nicht, dass ich ein Writer war, sondern der Umstand, dass ich meine gesamte Zeit draußen auf der Straße verbrachte. Und in der Bronx der 70er Jahre gab es viele Gangs, mit denen nicht zu spaßen war.

Als ich jung war, machte ich Akrobatik auf den Schaukeln im Park vor meinem Gebäude und gewann ein Battle gegen ein anderes Kid. Von da ab begannen die Älteren, mich King zu nennen – King of the Swings [der König der Schaukel]. Eines Tages sprühte ich einen Tag „King 13“ an die Mauer gegenüber des Parks, da kamen die Jungs von der Gang des Viertels und meinten: „Hey, du taggst unseren Turf, dafür musst du Mitglied der Gang sein.“ Ich wusste damals noch nicht einmal, dass Turf Viertel bedeutet! Sie hatten meine Akrobatik auf den Schaukeln gesehen und cool gefunden, deshalb verhauten sie mich nicht.

1973 begann ich, King13 zu schreiben, da war ich 13. Ich behielt den Namen eine ganze Weile, bis ich die Gang verließ. Danach zog ich weiter nach Spanish Harlem, wo ich mit den Renegades of Harlem, also Smokey, Dimond Dave, Danco unter meinem Tag Sen102 auftrat. Und mit Sly108 der Savage Sumari betrieben wir richtigen Vandalismus.

Ich blieb über zwei Jahre bei den Renegades; 1977 wurde ich angeschossen und beschloss daraufhin, die Gangs endgültig zu verlassen. Da ich ein absoluter Graffiti-Fan war, nahm ich, um einen Neubeginn zu wagen, den Namen T-Kid an. Die anderen nannten mich Big T, weil ich groß und stark war, daher das T – und Kid, weil ich oft der Jüngste in der ganzen Gruppe war. Das ergab T-Kid; 170 war meine Hausnummer.

Die Graffiti-Kunst holte mich von der Straße runter. Zum Malen ging ich gerne in Tunnels und wurde ziemlich schnell ziemlich gut. Ich machte Burner am laufenden Band und trat unter mehreren Namen auf: Dr.Bad, Wake5, Bro2… aber im Gedächtnis blieb den Leuten T-Kid. In meiner damaligen Crew TNB / The Nasty Boys waren Namen wie Peser, Mike-Dust, Joker-1, Rase alias Cooper, La Rock usw. vertreten.

1980 entschloss ich mich zu einer Pause, unter anderem, weil es innerhalb der Gruppe zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen war. Diese Pause dauerte ein Jahr, dann sah ich, dass sich Graffiti in Galerien zu verkaufen begann und das gefiel mir. Ich bekam eine Einladung ins Sam Esses Studio, wo ich zusammen mit Dondi, Zephyr, Futura, S-E 3 aka Sweet Eric aka Haze, Revolt, Ne aka Min-1, Case 2, Cos-207 usw. malte. Sie waren alle da, es war total verrückt! Das war die erste Graffiti-Kollektion, und sie war wirklich umfassend.

Danach nahm ich an einem Programm teil, das sich „No More Trains“ nannte und arbeitete darin mit Jugendlichen, die beim Sprayen von Zügen erwischt und festgenommen worden waren. Ich ließ sie sogenannte Positive Community Work [Sozialstunden] machen. Dafür wurde ich von Krylon und großen Unternehmen bezahlt, die die Reinigung der Tore im Bereich der 14. Straße finanzierten. Außerdem machte ich Mauergemälde gegen Bezahlung.

Das dauerte einen ganzen Moment, bis die Lust auf Graffiti zurückkam und es mich zum Bemalen von Zügen in die Hallen zurückzog. Von 82 bis 85 war der Teufel los, I was killin‘ it! Ich machte Hunderte von Nasty Burners und entwickelte meinen eigenen Stil. Von dieser Zeit kannst du alles im Internet finden und natürlich meinen Film.

Ich hatte das Riesenglück, dass Henry Chalfant, der zusammen mit Martha Cooper das Buch Subway Art gemacht hat, meine Arbeit mitverfolgte und fotografierte und dass diese Fotos in England gut ankamen, besonders das Graffiti, das ich meinem Vater nach seinem Herzinfarkt widmete. Sie luden mich nach London ein, um eine Wand für TDK, eine Audiokassetten-Marke, zu bemalen und das machte mich in Europa bekannt. Seitdem komme ich so oft wie möglich. (lächelt)

Herrschte in Bezug auf die Graffiti ein Wettbewerb mit den anderen Vierteln?

Pfffffff! Ständig! Das ist der Grund, warum Graffitis so wichtig und populär wurde. Graffiti ist eine Kunst, die jeder versteht, das ist Kommunikation. Wenn ich ein T-Kid auf einen Zug im Ghost Yard [ein mythischer Ort der Graffiti-Kunst, eine Halle, in der die Züge abgestellt waren] machte, wusste man nie, wohin dieser fahren wird: Queens, Manhattan… oder Brooklyn, wo ihn mein Kumpel Sonic vorbeifahren sah und dann sofort selbst einen Zug machen musste. Wenn ein Sonic in der Bronx fuhr, ärgerte mich das richtig und ich machte mich auch gleich wieder an die Arbeit.

und ich machte mich auch gleich wieder an die Arbeit.

Du kannst Figuren machen, du kannst die Buchstaben verfremden, aber Graffiti ist nun mal seinen Namen auf einen Zug schreiben. Es muss sich was bewegen, dein Name muss auf Reisen gehen. Alle waren auf diesem Trip: Dondi, Lee … ja, Lee war der Best, das kannst du mir glauben!

Alle sprechen immer von Dondi, der war gut, verdankt seinen Erfolg aber dem Umstand, dass Martha Cooper einen Haufen Fotos von ihm gemacht hat. Lee ist wirklich einer der Besten, die Fabulous Five Lee! Nicht Fab Five Freddy!

„New York liebt Graffiti,
sie gehören zur Kultur der Stadt.“

Er ist der Held des Films „Wild Style“, nicht wahr?

Genau! Er ist’s. Niemand wusste, was er schrieb, er war sehr diskret. Außerdem ist es lustig, dass Charlie Aheam, der den Film gemacht hat, ihn „Wild Style“ nannte weil der Typ namens Zephyr einen bestimmten Stil hatte. Sie sagten es sei ein wild style. Das ist aber falsch!

Wild Style, das war die Crew von Stacy168, einem der Meister des Graffiti, unter anderem Jimmy-Hahah, Bac, Chi-Chi 133… Ich erinnere mich, dass Tracy, als mich Zephyr in die Gruppe holte, mich fragte hat : „Hat er eine Kanone?“ Ich antwortete ihm: „Nein“. Seine Antwort lautete: „Fuck him! “. Das war Tracy!

Könntest du uns bitte für diejenigen, die sich mit Graffiti und ihren Techniken nicht so gut auskennen, erläutern, was man unter einem Burner, einem Wholecar versteht…

Aahhhh… ein Burner ist ein Stil. Ein komplexer Stil mit ineinander verschlungenen und ineinander verwobenen Buchstaben – mechanischer Stil, Robot-Stil, organischer Stil, Bubble-Stil… Ein Stil mit einem Spiel der Farben, die so richtig knallig wirken, sobald sich der Zug in Bewegung setzt. Und wenn er am Bahnsteig ankommt und die Sonne scheint – boom, dann strahlt er!

Einen Wholecar machen ist einen Waggon ganz zu bemalen, von oben bis unten und von vorne bis hinten. Window down ist, wenn du die Fensterscheiben innen bemalst. Es gibt verschiedene Arten von Window down wie zum Beispiel End to End, also am gesamten Waggon. Oder ein One Panel, das mit einem Throw-up oder einem Tag kombiniert werden kann.

Brachten die Älteren den Jüngeren bei, wie man Graffitis macht?

Mein Lehrmeister in Sachen Graffiti war Tracy168 und vor ihm Padre Dos, der sich auch Jesus Cruz nannte, Friede seiner Seele. Er brachte mir bei, wie man malt; seine Inspirationen waren Tracy und vor allem der Pate der Graffiti-Kunst, Phase2. Der hat alle Stilrichtungen entwickelt – Bubble, mechanisch – er war einfach The Man. Padre Dos ist sein spiritueller Sohn, er hat sich alles bei ihm abgeguckt. Padre zeigte mir, wie man Buchstaben macht, wo die Pfeile hingehören und vor allem wie das alles am besten kombiniert wird.

Als ich Tracy 1977 kennenlernte, sagte mir der sofort, dass ich  Stil habe und richtig gut werden könne, wenn ich weitermachte, er sah etwas in mir. Er hat mir vor allem beigebracht, wie man Sprühdosen klaut und mir die Zusammenstellung und den Handelswert von Graffiti klargemacht. Er war mein Lehrmeister, Padre war mein Mentor.

Waren Sprühdosen deine ersten Mal-Utensilien?

Nein, ich habe mit Markern begonnen. Pilot, Uni, Mini, Uni wide – die Sprühdosen kamen erst später, meine Lieblingsmarke war Red Devil… wirklich supergut. Krylon gab es in vielen Farben, aber die Qualität war nicht so toll, keine ausreichende Deckkraft, man musste zuvor immer eine Schicht Weiß sprühen.

Und dann gab es Rustoleum, nicht einfach zu finden, die funktionierten gut mit Fat Caps von Gefen [modifizierte Sprühköpfe, mit denen breitere Striche erzielt wurden; später gab es sie in vielen verschiedenen Breiten zu kaufen]. Damals waren im Handel noch keine Caps zu haben: skinny, super skinny, phat… wir mussten alles selbst erfinden.

Wenn du von den Zügen sprichst, wirst du richtig emotional!

Ja, klar… Das war mein Leben, das ist meine Kultur. Weißt du, es gibt nichts Schöneres auf der Welt als einen Zug zu bemalen. Als der Zug der Linie 2 mit meiner Graffiti „Breakdance“ in die Haltestelle an der 96. Straße einfuhr, war der Bahnsteig voller Menschen, die alle zu klatschen begannen. Ich schwöre dir, das war ein unglaublicher Augenblick! New York liebt Graffiti, sie gehören zur Kultur der Stadt.

Jetzt mal was anderes: Wie bist du dazu gekommen, Workshops in Villiers-le-Bel im Departement 95 zu machen?

Ich arbeitete gerade im La Place in Châtelet an den Zäunen, als eine Lehrerin mit ihrer Klasse vorbeikam. Die Kinder wollten auch malen und ich gab ihnen ein paar Tipps. Als die Lehrerin das mitbekam, bat sie mich, in ihre Klasse zu kommen und es ihnen beizubringen. Kinder lieben Graffiti und Street Art, sie wollen sich ausdrücken, sich befreien. Das ist in Villiers-le-Bel, einem Ort mit nicht wenig Problemen, gar nicht so einfach.

Aber das ist ihre Welt und wenn sie da bleiben, kann das böse enden. Ich übermittelte ihnen folgende Botschaft: „Wenn du gerne malst oder tanzt, kannst du das auch woanders machen und von Zeit zu Zeit hierhin zurückkommen.“ Die Kids brauchen eine kleine Ermunterung in die richtige Richtung.

Du hast eine ganz besondere Beziehung zu Frankreich…

Ich liebe Frankreich! Der erste französische Grapher, den ich Ende der 80er im Roxy’s kennenlernte, war Bando… Danach machte ich die Bekanntschaft von Mist, als dieser nach New York kam. Und in den 90ern der Mac Crew: Kongo, Colorz und die Anderen. Sie luden mich nach Paris auf das Kosmopolite Festival ein; später lernte ich auch Fafi und die Crew de Toulouse kennen. Frankreich ist meine zweite Heimat.

 „Wir  hatten  immer  eine  Kamera  dabei  und  wenn  wir  malen  gingen,  filmten  wir  uns  ganz  einfach!“ 

Wenn du nach Paris kommst, wohnst du bei Wuze, woher kennt ihr euch?

Ah! Wir lernten uns über einen gemeinsamen Freund, Yann, Lazoo, am Express-Bahnhof kennen. Ich erkannt sein Talent sofort, er ist gut, und außerdem kann er mit Grafik-Software umgehen, das ist heutzutage wichtig. Er hat mir seine Tür geöffnet, wir wurden Freunde. Es ist cool, bei jemandem zu wohnen… und die Stadt gemeinsam mit ihm zu entdecken.

Er stellte mich dem Posca-Team vor, was wirklich cool ist, da diese Ware in New York nicht immer einfach zu finden ist. Ich benutze die Marker gern auf Bildern und zum Malen auf Zügen [Er arbeitet gerade an Waggons in 3-D, die in der Next Street Gallery ausgestellt werden sollen.]

Es gibt sogar einen Dokumentarfilm über dich, „The nasty terrible T-Kid“, wie ist denn der zustande gekommen?

Ich brachte 2005 ein Buch heraus und bei einer Autogramm-Veranstaltung in Kalifornien lernte ich einen gewissen Carly von der Produktionsfirma Love Machine Films kennen und der machte ein Interview mit mir, das wunderbar lief. Da kam schnell die Idee auf, zusammen einen Film zu machen! Damals hatte ich einen ganzen Haufen Bilder, die Organisation war ein wahres Kinderspiel. Und es ist echt toll, seine Arbeit auf der Leinwand zu sehen!

Das ist interessant, weil in den USA enorm viel über die aufkommenden Kulturen berichtet wird, es gibt eine Menge Archivmaterial…

Ich habe alle möglichen Sachen auf Video, alle Arten von Kassetten – und meine Exfrau hätte die um ein Haar alle weggeworfen! Wir hatten immer eine Kamera dabei und wenn wir malen gingen, filmten wir uns ganz einfach!“ Wir dachten gar nicht darüber nach, was wir später damit machen wollten.

Die Werke werden auch oft von Sammlern gerettet. Mehrere Sammler verfolgen meine Arbeit mit, was mir die Gelegenheit gibt, meine Bilder zu organisieren und zu ordnen, es handelt sich dabei um Leute mit ganz unterschiedlichen Profilen und ein Trader von der Wall Street stellte mir sogar Leute vom Radison Hotelkonzern vor, die wollen, dass ich die Eingangshallen ihrer Hotels gestalte. Ich bin jederzeit bereit!

Als ich jünger war, war ich hardcore, aber jetzt will ich bezahlt werden für meine Bilder, ich bin ein Teil der Geschichte! Wenn Mister Orange, Donald Trump, ein Bild will, muss er es bezahlen! Ich bin bereit, die Mauer, die er zwischen Mexiko und den USA hochziehen will, zu bemalen, ich werde WELCOME draufschreiben! Willkommen bei uns!

Der Tipp von Posca
Sehen Sie sich an, welche Träger T-kid verwendet
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